Zunderschwamm pilztypische Beta-Glucane – Adaptogene aus Pilzen und Pflanzen

Adaptogene – Was ist das?

Adaptogene sind Inhaltsstoffe bestimmter Pflanzen und Pilze, welche die Widerstandsfähigkeit des Körpers gegenüber äußeren und inneren Stressauslösern beeinflussen. Sie unterstützen den Organismus dabei, sich an körperliche und geistige Anforderungen sowie Belastungen zu adaptieren, d. h. sich anzupassen.

Geprägt wurde der Begriff Adaptogen 1947 von dem russischen Wissenschaftler Nikolai Wassiljewitsch Lasarew. Richtig intensiviert wurde die Forschung zu Adaptogenen in den 1960er Jahren . Insbesondere der Pharmakologe Israil Izkowitsch Brechman forschte zu der Zeit an adaptogenen Pflanzen.

Obgleich es zwischenzeitlich scheinbar etwas ruhiger wurde um adaptogene Pilze und Pflanzen, nimmt die Forschung daran mittlerweile wieder richtig an Fahrt auf. Grund genug für uns, uns mit einem Fachmann zu Pilzen und Pflanzen zu unterhalten.

Jürgen Guthmann ist Autor mehrerer Bücher zu Pilzen und Pflanzen. Insbesondere das Buch „Heilende Pilze“ gilt als Standardwerk für Pilze und deren gesundheitsrelevante Inhaltsstoffe.

ZNG: Hallo Herr Guthmann, freut uns, dass Sie Zeit finden uns Rede und Antwort zu stehen. Gleich die erste Frage. Sie haben sich in Ihren Büchern sowohl mit Pflanzen als auch mit Pilzen beschäftigt. Sind diese beiden Reiche miteinander vergleichbar, oder gibt es große Unterschiede?

J.Guthmann: Zunächst einmal muss gesagt werden, dass die Pilze ihr eigenes Reich bilden. Sie sind also nicht verwandt mit Pflanzen oder Tieren, sondern eine eigenständige Lebensform. Das Reich der Pilze ist zudem unheimlich vielfältig und vielschichtig. Die wichtigsten Unterschiede zwischen Pilzen und Pflanzen sind allein schon im Stoffwechsel zu finden. Pilze bauen daher ganz besondere Inhaltsstoffe auf, wie bspw. die pilztypischen Beta-Glucane, als Baustoffe ihrer Zellmembranen.

ZNG: Was ist unter pilztypischen Beta-Glucanen zu verstehen. Pflanzen bilden doch auch Beta-Glucan. Im Prinzip sind das die Ballaststoffe, oder?

J.Guthmann: Ja, sowohl die pilztypischen Beta-Glucane als auch die Beta-Glucane der Pflanzen zählen zu den Ballaststoffen. Oder ernährungsphysiologisch auch Prebiotika genannt. Nichts desto trotz gibt es wichtige Unterschiede, die sich v.a. aus der chemischen Struktur ableiten. Pilze knüpfen 1,3/1,6 Beta-Glucane die wahrscheinlich helicale Strukturen ausbilden. Diese helicalen Strukturen werden von immunkompetenten Rezeptoren erkannt. Pflanzen bilden diese Beta-Glucane nicht, sondern bilden 1,4-verknüpfte Beta-Glucan Polysaccharide.

ZNG: Ok, und auf dem Erkennen der helicalen, pilztypischen Beta-Glucane beruhen die Effekte die sie auslösen, richtig?

J.Guthmann: es gibt Hinweise dafür. Allerdings ist hierbei noch vieles ungeklärt. Die pilztypischen Beta-Glucane werden auch zu den Adaptogenen gezählt. Adaptogene sind Inhaltsstoffe aus Pilzen und Pflanzen die Organismen unterstützen können, sich an Veränderungen zu „adaptieren“, also anzupassen.

ZNG: in machen Studien wird in Bezug auf pilztypische Beta-Glucane auch von Biological Response Modifiern (BMR) gesprochen.

J.Guthmann: Adaptogene Inhaltstoffe modifizieren die biologische Antwort auf Stressoren. Damit sind Adaptogene auch unmittelbar Biological Response Modifier.

Herzlichen Dank für Ihre Zeit und Ihre interessanten Einblicke.

Jürgen Guthmann

Autor mehrer Fachbücher zu Pilzen und Pflanzen

Jürgen Guthmann ist diplomierter Chemieingenieur und arbeitete lange Zeit als Laboringenieur. Er beschäftigt sich vor allem mit Ernährungs- und Gesundheitsthemen und hierbei hegte er besonderes Interesse für Vitalpilze und Heilpflanzen sowie deren Wirkungen und Verwendungsbereiche. Jürgen Guthmanns ist Autor mehrerer Bücher zu Pflanzen und Pilzen. Ganz besonders sein neuestes Werk „Heilende Pilze – Die wichtigsten Arten der Welt“ in der aktuellen, überarbeiteten 2. Auflage von 2020 gilt als richtungsweisendes Standardwerk bzgl. der Verwendung von Pilzen.